EVA ROTTMANN *1983

Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen, die hieß Wertheim. So heißt sie immer noch. Es gibt dort eine Burg und ein Freibad und einmal im Jahr kommt der Rummel, mit Autoscooter, Riesenrad und Bierzelt. Ganz in der Nähe gibt es auch einen Olympiastützpunkt für den Fechtsport. Dort habe ich viele Jahre lang Degen gefochten, bis ich in die Pubertät kam und mehr Lust auf Party hatte. Dann habe ich Party gemacht. Später auch Abitur. 

 

In Bonn habe ich mal kurz Philosophie studiert und in Zürich etwas länger Theaterpädagogik. Nach der Ausbildung habe ich vor allem mit Jugendlichen gearbeitet, aber auch mit Senior*innen und Erwachsenen, in der Psychiatrie, im Kindergarten, im Männerwohnheim und an Stadttheatern. Ein Plan war das nie, Schriftstellerin zu werden. Ich finde Kunstwelten, egal welche, meistens eher anstrengend. Aber geschrieben habe ich, seitdem ich denken kann. Schreiben ist für mich wie ein langes Gespräch über Dinge, die mich beschäftigen. Und ein großes Glück, dazugehörende Kunstwelt hin oder her. 

 

Meine Theaterstücke werden mittlerweile an zahlreichen deutschen Theatern gespielt, ein paar Mal habe ich mich im Hörspiel versucht und 2021 ist mein erster Jugendroman Mats & Milad oder: Nachrichten vom Arsch der Welt bei Jacoby und Stuart erschienen. Im März 2022 folgt das erzählende Bilderbuch Die Prinzessin, die auszog, den Prinzen zu retten. Momentan arbeite ich an meinem ersten Roman für Erwachsene und an einer Fortsetzung des Jugendromans. 

 

Ich lebe in Zürich, mit meinen beiden Kindern und einigen Aquariumfischen. Ich glaube nicht an Gott, dafür an die Liebe, an den Fortschritt und an das Skateboardfahren. Ich wünsche mir mehr Männer, die sich ihrer Privilegien bewusst werden und anfangen, besser zuzuhören. Kinder sind Kinder, nicht halbwertige Erwachsene. Und definitiv nichts wäre die Welt ohne Musik. 

 

(Foto: Anne Meinke)